Ein Winzer, zwei Weingeschwister und viel Familie

Mitte der 80er Jahre machte unser Vater, ein Weinhändler aus Leidenschaft, von einer großen italienischen Weinmesse einen kurzen Abstecher in die Toskana. Keiner ahnte, welchen von Zypressen gesäumten Weg unsere Familie künftig einschlagen würde. Niemand hatte eine Vorstellung davon, wie sehr diese kleine Fattoria mit dem einprägsamen Turm unser Herz erobern würde. Und alle gemeinsam dachten wir nicht im Traum daran, dass Ispoli uns über die Jahre derart in Atem halten könne.

Unsere Fattoria

Die Fattoria Ispoli befindet sich 15 km südlich von Florenz im Chianti Classico-Gebiet und umfasst rund 22 ha Land. 5 ha davon sind Weinberge, 3 ha Oliven, der Rest ist Baumbestand. Die Weinberge sind alle rund ums Haus gelegen und durch Waldflächen von den benachbarten Gütern getrennt. Fremdeinflüsse sind aufgrund dieser isolierten Lage weitestgehend auszuschließen. In Ispoli wird hauptsächlich Sangiovese angebaut, aber auch Merlot trägt dazu bei, Weinkennern und Weinliebhabern beim Genuss einer Flasche Ispoli ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern. 

Was weiter zum Erfolg der mehrfach prämierten Bioweine beiträgt: Nahezu alle Rotweine werden in Eichenfässern ausgebaut – je nach Sorte bis zu 36 Monate. In Ispoli finden nur die besten Trauben ihren Weg in die Flasche. Wie man es von einem kleinen Produzenten exklusiver und mit viel handwerklicher Sorgfalt gekelterter Weine erwarten darf. Den Weg weist die Natur und wir gehen diesen Hand in Hand. Fällt eine Ernte einmal kleiner aus als gedacht, dann gibt es dementsprechend auch deutlich weniger Wein. Diesen aber in gewohnter Top-Qualität.

Die Familienbande

Was vor über 35 Jahren als Traum eines Weinhändlers aus dem Süden Deutschlands begann, dann zum Kindheitserlebnis und zur späteren Berufung einer zweiten Familiengeneration wurde, ist inzwischen ein drei Generationen umfassendes Herzensprojekt in der Toskana geworden. Von der Großmutter bis hin zum jüngsten Enkel sind alle im Einsatz – zwischen Reben und Zypressen, vom Weinkeller bis in den Wald. Oliven pflückend, Kartons schleppend, Gäste begrüßend. Und immer wieder auch: Von Glühwürmchen umgeben am Feuer sitzend, Zukunftspläne schmiedend, ein Glas Wein in der Hand.

Das Weingut-Team

Familienbande sind das eine, sie reichen aber bei weitem nicht aus, um das Größte in einem kleinen Betrieb wie Ispoli hervorzubringen. Was wären wir ohne unseren erfahrenen Winzer und Betriebsleiter Francesco Palombi sowie Luciano Scaramelli, die gute Seele der Fattoria seit mehr als zwanzig Jahren. Wenn Wein- und Olivenernte sowie Flaschenabfüllung anstehen oder die Vegetation in ungeahnte Höhen sprießt, reist nicht nur die Großfamilie samt Freunden an, sondern steht uns immer wieder auch eine tolle Ispoli-Mannschaft aus der näheren Umgebung zur Seite.

Im Weinkeller der Geschichte

Die ersten offiziell dokumentierten Spuren der Fattoria Ispoli führen in das Jahr 1580. Aus dieser Zeit stammt ein im zentralen historischen Archiv von Florenz hinterlegtes Dokument, das die Familie Niccolò Machiavellis – uns allen wohl bekannt durch ‚Il Principe‘ – als Besitzer des Gutes ausweist. Zu schön wäre es, wenn der Name Ispoli auf ‚Ippolita‘, eine Enkelin des berühmten Philosophen und Geschichtsschreibers zurückginge. Diese Spur zur Lösung des Namenrätsels erwies sich jedoch als die falsche und wir sind weiter auf der Suche, worin der wohlklingende Name unserer Fattoria tatsächlich seinen Ursprung hat.

Steigt man heute die Stufen zum ehrwürdigen Barrique-Keller des Weinguts hinab, begibt man sich noch deutlich weiter in die Vergangenheit. 1237 wurde das knapp einen Kilometer von Ispoli entfernte Örtchen Mercatale als Marktplatz für das nahe gelegene Schloss Montecampolesi erbaut. Was zum herrschaftlichen Dasein noch fehlte, waren strategisch wichtige Wachposten. Ispoli war allem Anschein nach einer davon. Die ältesten Mauern der Fattoria bildeten einst die Fundamente eines über dem heutigen Weinkeller errichteten Wachturms für Marktplatz und Schloss.

Was uns ausmacht

Es muss die Liebe zu dem uns anvertrauten Fleckchen toskanische Erde sein, gepaart mit einer kaum enden wollenden Bereitschaft, diese kleine Fattoria mit ihren zahlreichen Herausforderungen als große Chance und noch größeres Glück zu begreifen. Kreative Lösungen finden, können wir. Spontane Ideen umsetzen ebenso. Unüberwindbar scheinende Berge? Begreifen wir als sanfte toskanische Hügel, krempeln die Ärmel hoch und legen los.

Über allem schwebt der wärmende Blick in die familiäre Vergangenheit, der visionäre Ausguck in die Zukunft und die Faszination, dass Weinreben, Olivenbäume, Jahreszeiten und toskanisches Lebensgefühl nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern auch vielen Stürmen widerstehen. Manches dürfte einfacher sein, vieles könnte schneller gehen, aber alles zahlt sich irgendwann aus, wenn es nachhaltig gedacht wird. Unsere Reben pflanzen wir auch für nachkommende Generationen. Mit dem Ziel, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als nachwachsen können. Daran halten wir fest und freuen uns, Ispoli weiter aufwachsen zu sehen.